Naturschutzjahr - was nun? (1441-1)

  • Deutsch
  • 1971-01-08
  • Dauer: 00:06:43

Beschreibung

Abstract:
Schweiz: Standortbestimmung nach dem Europäischen Naturschutzjahr 1970, Möglichkeiten des Einzelnen zum Schutz der Umwelt

Sequenzbeschrieb:
o.O. (Schweiz) – Singender Männerchor
o.O. (Schweiz) – ZS Abfallberge, Müllgrube
o.O. (Schweiz) – Landschaft mit Autofriedhof
o.O. (Schweiz) – ZS Baustellen und Wohnblock-Siedlungen, Fertig-Häuser, Wohnwagen auf Zeltplatz
o.O. (Schweiz) – Abgaswolken von stehenden Autos
o.O. (Schweiz) – rauchende Kamine
o.O. (Schweiz) – Badeverbots-Tafel
o.O. (Schweiz) – Bauer Jauche spritzend
o.O. (Schweiz) – Öl aus Zisternen-Eisenbahnwagen tropfend
o.O. (Schweiz) – IA Labor, verendende Fische in Glas mit Gewässerprobe
o.O. (Schweiz) – ZS Werbe-Plakate und Reklamen in Briefkästen, laufende Druckmaschine
o.O. (Schweiz) – "Populationsmeter", automatische Tafel Bevölkerungswachstum anzeigend
(o.O.) – Rede Papst Paul VI. an FAO-Konferenz
Zürich, ZH (Schweiz) – Kläranlage
Hergiswil, NW (Schweiz) – Neue Kläranlage, IA Kommandoraum
o.O. (Schweiz) – Freiwillige Abfälle aus Genfersee fischend und abtransportierend
o.O. (Schweiz) – Strassenumfrage

Communiqué:
Wohnungsbau und Abnahme der Grünflächen - Landschaftsgärtner - Luftverschmutzung und mögliche Abhilfe - Gewässerverschmutzung und die mangelnde Koordination zwischen den Kantonen.- Ursachen: Ueberbevölkerung und Vogel-Strauss-Politik. - Wie kann der Einzelne an der Erhaltung unserer Umgebung mitwirken?

Begleittext:
Während eines ganzen Jahres wurden wir durch solche Bilder auf den dringend nötigen Umweltschutz aufmerksam gemacht. Nichts soll uns daran hindern, die schöne Natur weiterhin zu besingen, soviel von ihr noch übrig bleibt. Autofriedhöfe sind nicht das schlimmste Uebel. Weitaus verheerender wird sich auf die Dauer die ständige Abnahme der Grünflächen auswirken. Das besonders dort, wo uns solche Eigenheime angepriesen werden. Was diese Einstellung für Folgen haben kann, zeigen die lieblichen Gestade unserer Seen. Vielleicht werden unsere Landwirte eines Tages nurmehr als Landschaftspfleger angestellt werden, damit unsere Verkehrswerbung weiterhin stimmt. Der moderne Verkehr steht mehr als er fährt. Das stehende Fahrzeug aber verpestet die Luft zehnmal mehr als das fahrende. Stark verunreinigte Luft verursacht Atembeschwerden und in verschiedenen Grosstädten ist es bereits nötig geworden, von Zeit zu Zeit Sauerstoff aufzutanken, wie dies die kürzlich eröffnete Atemzentrale beweist. Zu lange sind auch die Gewässer als bequeme Abfallgruben benützt worden. Für einen Drittel der Gewässerverschmutzung ist die Landwirtschaft verantwortlich. Und doch, wo der Boden produzieren soll, muss er genährt werden. Noch immer gelangt Oel infolge Fahrlässigkeit oder Unfällen in die Gewässer. Stilleben mit toten Fischen lassen sich heute kaum mehr bewundern, ohne gleichzeitig Bilder von trauriger Realität wachzurufen. Was unsere Früchte und Gemüse wachsen lässt und unsere Wäsche noch weisser wäscht, bekommt den Fischen wesentlich schlechter. Wir haben beschlossen, noch mehr zu produzieren. Die Natur auszubeuten, ist längst zur Gewohnheit geworden. Nur in seltenen Fällen hat sich die Natur bis heute gewehrt. Gratis in jede Haushaltung. Gratis? Wirklich? Die Rechnung wird später unseren Kindern vorgelegt werden. Denn unerschöpflich sind die Reserven auf keinen Fall. Der jährliche Papierverbrauch in der Schweiz pro Kopf der Bevölkerung beträgt heute schon 144 kg. Noch glaubt sich der Mensch allmächtig und imstande, sämtliche Probleme zu lösen. Aber unser Lebensraum wird mit jeder Sekunde etwas kleiner, und wenn der gegenwärtige Bevölkerungszuwachs weiter anhält, wird in 600 Jahren jedem Einwohner noch genau ein Quadratmeter zur Verfügung stehen. Der Populations-Meter zeigt, wie rasch gegenwärtig die Weltbevölkerung anwächst. 3/4 der Weltbevölkerung sind unterernährt. Kürzlich hat sich Papst Paul VI vor der FAO nochmals gegen die Geburtenregelung ausgesprochen und zur Vermehrung des zu verteilenden Brotes aufgerufen. Noch bietet bei uns die Bevölkerungszunahme nur Wohnungsprobleme, aber wer weiss, ob wir nicht bald auch auf anderen Gebieten zur Kasse gebeten werden. Bereits im Jahre 1940 besass Zürich eine Kläranlage. Doch was nützt die Aufgeschlossenheit einzelner Kantone, wenn andere erst 30 Jahre später folgen? 1970 wurde in Hergiswil die erste Kläranlage am Vierwaldstättersee in Betrieb genommen. Eine ähnliche Situation herrscht am Genfersee. Was nützen grossangelegte Sammelaktionen, wenn Flaschen und der übliche Unrat im Wallis weiterhin in die Rohne fliessen und hier angeschwemmt werden. Aber wie denkt der Einzelne der Naturverschmutzung Einhalt gebieten zu können? Etwas anderes wäre es natürlich, den notwendigen Druck auf die Behörden auszuüben, damit eine nationale und internationale Gesetzgebung geschaffen würde. Vorläufig scheinen solche Versuche noch mit einer gewissen Skepsis betrachtet zu werden. Aber zu sagen, dass sich heute noch immer kein Hund um die Probleme kümmert, ist glücklicherweise etwas übertrieben.

Communiqué_1441.pdf
Dieses Dokument wurde mit der Unterstützung von Memoriav erhalten.