Das Leben einer Minderheit in der Schweiz: Die Tibetaner. (1502-1)

  • Deutsch
  • 1972-03-31
  • Dauer: 00:06

Beschreibung

Abstract:
Schweiz: Tibetische Flüchtlinge in der Schweiz

Sequenzbeschrieb:
o.O., Tibet (China) – Flüchtlinge mit bepackten Pferden und Kühen (1959)
Zürich Flughafen, ZH (Schweiz) – Ankunft tibetischer Flüchtlinge (196110)
o.O., GL (Schweiz) – Spielende Flüchtlings-Kinder
o.O., GL (Schweiz) – Türglocke mit tibetischen Namen
o.O., GL (Schweiz) – Tibeter in Textilfabrik arbeitend
o.O., GL (Schweiz) – Flüchtling in tibetischem Medizin-Rezeptbuch blätternd
o.O., GL (Schweiz) – Flüchtlingskinder im Schul-Unterricht
o.O., GL (Schweiz) – Fussball-Match mit FC Lhasa Boys
Rikon, ZH (Schweiz) – Eröffnungszeremonie Tibet-Institut (1968)
Rikon, ZH (Schweiz) – AA IA Tibet-Institut
Rikon, ZH (Schweiz) – Gebetsstunde mit persönlichem Vertreter von °Dalai °Lama
Rikon, ZH (Schweiz) – Kultur-Unterricht für tibetische Kinder
Rikon, ZH (Schweiz) – IA Bibliothek

Communiqué:
1959 begann die grosse Flucht der Tibeter. Gruppenweise trafen die Flüchtlinge auch in der Schweiz ein. Der Assimilierungsprozess setzte sofort ein, doch erst heute zeigen sich die Spannungsfelder. Denn: Nicht nur sind die Arbeitsmöglichkeiten für Tibeter je nach Alter sehr eingeschränkt, sondern es sind die Begriffe von Kultur und Religion in Tibet nicht zu trennen. Aus diesem Grunde kommt dem Tibet-Institut in Rikon besondere Bedeutung zu. Hier steht der persönliche Vertreter des Dalai Lama in direktem Kontakt zu seiner Exil-Regierung, hier arbeiten Mönche an der Erhaltung der geistig-religiösen Werte, hier sucht der Tibeter Rat. Die tibetische Minderheit in der Schweiz beweist, dass unser Land sehr wohl noch zweite Heimat für Unterdrückte werden kann.

Begleittext:
Flüchtlingsschicksale, wo und wann immer sie auftreten, gleichen sich. Da sind Menschen, die vor Naturgewalten oder aus politischen Gründen flüchten, so wie die Tibetaner seit 1959 ihr Land Richtung Indien verlassen, und auf der anderen Seite sind jene, die diese Menschen aufnehmen müssen und wollen. Gestützt auf einen Bundesbeschluss traf im Oktober 1961 eine erste Gruppe tibetischer Immigranten aus Nepal in der Schweiz ein. Bis heute hat sich diese Zahl auf ungefähr 600 erhöht. // Aus den Heimen, in denen sie zuerst untergebracht worden waren, sind sie heute in eigene Wohnungen gezogen, zumeist einige Familien zusammen. // Der Fleiss und die Lernfreudigkeit der Tibeter machte es möglich, dass Männer und Frauen sehr schnell in die Wirtschaft eingegliedert werden konnten. Aus diesem Grunde will ja die Glarner Regierung z.B. noch diesen Herbst weitere 100 Flüchtlinge aufnehmen. // Alle Flüchtlinge mussten in neuen Beschäftigungen angeleint werden, was zwar mit wenig Schwierigkeiten verbunden war, aber doch zu Härten führte. Herr Sonam z.B. arbeitet in einer Weberei, ist aber gelernter Arzt, der in seiner Wohnung noch immer die alten tibetischen Rezeptbücher und Heilmittel aufbewahrt. // Leichter wird die Assimilierung für die Kinder: Sie besuchen die normalen Schulen und unterscheiden sich wenig von ihren Schweizer Mitschülern. Den Dialekt beherrschen sie bald besser als ihre eigene Sprache; // (Synchro) Doch die Jungen halten zusammen. So gibt es einen FC Lahsa Boys, der in regulären Wettspielen auf andere, schweizerische Klubs stösst. // Fast alle Tibeter, die aus der Schule entlassen werden, können eine Lehre anfangen und sie dank ihrer Zuverlässigkeit und Ruhe mit Erfolg zu Ende führen. // Die tibetanischen Emmigranten der Schweiz und des Auslandes wussten es sehr zu schätzen, als 1968 ihr geistiges Zentrum, das klösterliche Tibet-Institut in Rikon im Tösstal eröffnet werden konnte. // Seither erfüllt dieses bereits weltbekannte Haus vielerlei Funktionen. Es ist eine Stätte der Versammlung, wo sich Tibeter aus allen Landesteilen anlässlich der verschiedensten Veranstaltungen treffen. Hier feiert man z.B. den Jahrestag des tibetischen Aufstandes mit einer feierlichen Gebetsstunde, deren Mittelpunkt eine kurze Ansprache des persönlichen Vertreters des Dalai Lama bildet. // Das Institut ist klösterlicher Mittelpunkt und geistliches Zentrum, ohne das die Tibeter, deren Leben beinahe ausschliesslich von der Religion bestimmt ist, heute nicht mehr auskommen könnten. Das Darbringen von Wunsch- und Gebettüchern ist hier mehr als nur Routine. // Mit seinen gelehrten Geistlichen und seiner Bibliothek wirkt das Institut in mehreren Richtungen informativ: So werden die tibetischen Kinder in ihrer Schrift, Sprache und Religion unterrichtet. Nur so kann das kulturelle Erbe der Tibeter gehütet und die Tradition im Rahmen des Möglichen erhalten werden. // Wie schwer es für einen Europäer sein muss, in die tibetische Sprache einzudringen, mag man erahnen, wenn man den folgenden Satz hört: (Synchro) // Von eminenter wissenschaftlicher Bedeutung ist vor allem die grosse tibetische Bibliothek, die u.a. zur Orientierung von westlichen Interessenten dient. Wissenschaftliche Studien fördern das Selbstverständnis der Tibeter im Ausland und erweitern unsere Kenntnisse. // (Synchro) Wenn der Tibeter fühlt, dass die Zeit des Sterbens naht, beginnt er seine dazugehörigen Rituale, so die stundenlange Umgehung des Tempels. // Es ist eine grosse Aufgabe der Schweiz, auch weiterhin kleinsten Minderheiten Toleranz und Verständnis entgegenzubringen. //

Communiqué_1502.pdf
Dieses Dokument wurde mit der Unterstützung von Memoriav erhalten.