Auch die Frauen... (1508-1)

  • Deutsch
  • 1972-05-12
  • Dauer: 00:06:07

Beschreibung

Abstract:
Schweiz, o.O.: Neue Frauenberufe

Sequenzbeschrieb:
o.O. (Schweiz) – Angehende Stationsvorsteherinnen mit Modell-Eisenbahn übend
o.O. (Schweiz) – Stationsvorsteherin an Bahnhof arbeitend und mit Signal hantierend
o.O. (Schweiz) – Polizistin Verkehr regelnd
Mulhouse-Basel (Frankreich) – Fluglotsin im Tower arbeitend
o.O. (Schweiz) – Postchauffeuse mit Postauto fahrend
o.O. (Schweiz) – weiblicher Schiffsjunge Schiffsdeck schrubbend
o.O. (Schweiz) – Arbeiterinnen an Drehbank und Schleifmaschine arbeitend
o.O. (Schweiz) – Kranführerin in Grossgiesserei arbeitend
Schlieren, ZH (Schweiz) – Sektionschefin Dienstbüchlein kontrollierend
o.O. (Schweiz) – Anliker (°Sportschützin) mit Mädchen trainierend
o.O. (Schweiz) – Kapitänin Kunz auf Greifensee Kursschiff steuernd
o.O. (Schweiz) – Baggerfahrerin beim Baggern
Glarus, GL (Schweiz) – Landsgemeinde, erstmals mit Frauenstimmrecht
Glarus, GL (Schweiz) – Männer und Frauen per Handzmehr abstimmend

Communiqué:
Wie weit die Emanzipation der Frauen in der Schweiz - wenigstens auf dem Gebiet der Arbeit - bereits geschritten ist, beweist die Schilderung einiger für unser Land recht ausgefallener Berufe. Die SBB bilden derzeit eine Reihe von Stationsvorsteherinnen aus, die Polizistinnen sind bereits altbekannt, weniger vielleicht die Flugverkehrsleiterin oder die Postchauffeuse. Auf dem Rhein absolviert ein Mädchen die Matrosenlehre, in der Metallindustrie gibt es die erste Mechaniker-Lehrtochter des Kantons Zürich. Eine Kranführerin gebietet über Tonnen, eine Sektionschefin über Militärdienstpflichtige. Eine Match-Schützin bildet den Nachwuchs aus, eine Kapitänin pflügt durch den Greifensee, eine Taxführerin durch den Kies. Eigentlich nichts als recht, wenn dieses Jahr die Frauen nun auch zum erstenmal in einem Landsgemeinde-Ring, dem "Zaun" von Glarus, als gleichberechtigt erschienen.

Begleittext:
Ob als Spielzeug oder in Wirklichkeit, Eisenbahnen waren bis anhin Domäne der Männer. Die SBB haben gründlich mit diesem Vorurteil aufgeräumt: Zur Zeit stehen über 2 Dutzend junger Damen, die später als Stationsvorsteherinnen eingesetzt werden sollen, in der Ausbildung. An Originalstellwerken wird geübt, was kurz darauf im harten Alltag der Eisenbahn zur Routine werden wird. // An diesen Anblick werden sich die Eisenbahner hoffentlich bald gerne gewöhnt haben. // Dies ist nur ein Beispiel von vielen, die zeigen, dass die Emanzipation der Frau bereits viel weiter fortgeschritten ist, als man glaubt. Es gibt kaum mehr einen Beruf, der nicht auch von einer Frau ausgeführt werden könnte. Die Polizistin, welche für den mehr oder weniger flüssigen Ablauf des Verkehrs sorgt, ist in vielen Städten bereits ein längstvertrauter Anblick. // Auf dem Flugplatz Basel wacht eine 21 jährige Elsässerin als Flugverkehrsleiterin über die Sicherheit im Luftraum. // Auch die Postchauffeuse gibt es bereits in unserem Land. Arbeitsüberlastung ihres Mannes veranlasste Frau Buner, sich selbst bei der PTT als Chauffeuse zu melden. Irgendwelche Vereinfachung in der Ausbildung gab es auch hier nicht. Erst nach mehrjähriger Lastwagenpraxis wurde ihr der Fahrausweis Kategorie C ausgestellt. // Seit einiger Zeit schon lässt sich die Schifferstochter Marie-Louise als erster weiblicher Schiffsjunge auf einem Rheinmotorschiff zur Matrosin ausbilden. Drei Jahre dauert die Lehrzeit, in der Fahrdienst, Bord- und Löscharbeiten gelernt werden müssen. // Die Maschinenindustrie klagt über permanenten Personalmangel. Es ist deshalb eigentlich nicht verwunderlich, dass immer mehr Frauen an Drehbänken und Schleifmaschinen anzutreffen sind. Bereits stehen Mechanikerinnen in der Ausbildung — ein Reservat für Männerarbeit gibt es heute nicht mehr. // Anfänglich mögen sich viele Männer gefragt haben, was eine Frau in der Grossgiesserei zu suchen habe. Doch, 100 Tonnen müssen gehoben werden, ob nun der Kran von einer Frau oder von einem Mann gesteuert wird. // Männer werden sich daran gewöhnen müssen, mehr oder mehr auch von Frauen Anordnungen entgegen zu nehmen. In Schlieren z.B., darf sich der Militärpflichtige bei der ersten schweizerischen Sektionschefin melden. Vielleicht, dass damit dem Militärdienst ein etwas charmanteren Anstrich gegeben werden kann. // Im Jahre 1965 hob Frau Anliker die Schweizerische Damen-Match-Schützen-Vereinigung aus der Taufe. Dieses Gremium stellt noch immer eine Weltexklusivität dar. Heute sieht die Tellentochter, Mutter von sieben Kindern, ihre wichtigste Aufgabe in der "Förderung des Nachwuchs". // Frau Kunz bewirtschaftet mit ihrem Mann einen Bauernhof. Doch daneben fährt sie seit über drei Jahren auf dem Greifensee als erste Kapitänin der Schweiz regelmässig Kursschiffe. // 24 Jahre zählt diese junge Dame, welche hier Anweisungen erteilt. Nach dem Welschlandaufenthalt beschloss sie, im Geschäft ihres Vaters tätig zu sein und seit drei Jahren fährt sie nun schon den Trax mit Souveränität. // Wenn die Gleichberechtigung der Frauen bei der Arbeit schon derart weit fortgeschritten ist, kann es wohl nicht mehr als recht sein, wenn auch die politische Gleichberechtigung Schritt hält. In Glarus kam dieser "Fortschritt" besonders schön zum Ausdruck: (Synchro) Die diesjährige Maienlandsgemeinde, zu der sich das Glarnervolk heute traditionsgemäss eingefunden hat, wird in die Geschichte eingehen. Erstmals sind hier Frauen und Männer politisch als gleichberechtigte Glieder unseres Landes versammelt, und ich entbiete den Frauen einen ganz besonderen Gruss... // Glarus fällt somit die Ehre zu, als erster, und leider vorläufig noch lange als einziger, Landsgemeinde Kanton den Frauen die volle Mitsprache zugebilligt zu haben. Vielleicht wird die Frau in der Schweiz doch noch eines Tages auch als politisch vollwertig betrachtet werden. //

Communiqué_1508.pdf
Dieses Dokument wurde mit der Unterstützung von Memoriav erhalten.