Das Sportjahr 1972 (1539-1)

  • Deutsch
  • 1973-01-05
  • Dauer: 00:05:58

Beschreibung

Abstract:
Schweiz, Deutschland: Sport-Jahresrückblick 1972

Sequenzbeschrieb:
o.O. (Schweiz) – Meta Antennen beim Training
o.O. (Schweiz) – Kunstturnerinnen beim Training mit Ludek Martschini
o.O. (Schweiz) – Edy Hauser mit Herzfrequenzmesser beim Langlauf
Davos, GR (Schweiz) – Eisschnelllauf-EM 1. Schenk
St. Moritz, GR (Schweiz) – Viererbob-EM 1. Müller-Ott-Hiltebrand-Born
Saporo (Japan) – OS Snow-Bob
Zürich Flughafen, ZH (Schweiz) – Empfang OS-Team Russi und Nadig
o.O., VD (Schweiz) – Empfang Collombin
o.O. (Schweiz) – Männer bei Gymnastik im Freien
o.O., Bayern (Deutschland) – Schweizer Marsch nach °OS-°München
München (Deutschland) – Eröffnung OS 1972
München (Deutschland) – Impressionen 110m Herren, Gehen, rennende Damen
München (Deutschland) – Schwimmen 1. Spitz
München (Deutschland) – Gewichtheben 1. Alexejew
München (Deutschland) – 3000m Hindernislauf 1. Keino
München (Deutschland) – Fechten 1. Woyda
München (Deutschland) – Sportler zusammenbrechend
München (Deutschland) – Palästinenser-Attentat auf israelische Mannschaft
München (Deutschland) – Sicherheits-Check Durchsuchungen Besucher
München (Deutschland) – Impressionen Hochsprung, Kugelstossen, Stabhochsprung, Weitsprung (ZL)
La Chaux-de-Fonds, NE (Schweiz) – Eidgenössisches Schwingfest 1. Roschi

Communiqué:
Das Jahr 1972 hat im Zeichen der Olympiade gestanden - aber nicht nur. Neben der für die Schweizer so erfolgreichen Winter-Olympiade wurden auch sonst die verschiedensten, z.T. ganz neuen Wintersportarten gepflegt. Die Schweizer Sportlerinnen gaben viel zu reden, doch alles Training konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass es für die, dieses Jahr besonders fragwürdig gewordenen, olympischen Ehren, ganz andere Voraussetzungen braucht. Sportarten gibt es unzählige und alle werden mit mehr oder weniger grossen Fanatismus ausgeübt - wie gesund das alles wirklich ist, bleibt weiterhin eine offene Frage. (Zum Teil aus den Ausland bezogen).

Begleittext:
Im Olympiadejahr 1972 sind nicht nur sportliche Rekorde gebrochen worden, sondern viel mehr noch sport-politische. Die Fragwürdigkeit des Leistungssportes, der das Produkt aus Geschäft und forciertem Ehrgeiz ist, zeigte sich vergangenes Jahr besonders deutlich. // Auch Schweizer Sportler mussten ihr letztes geben. Die Sportlerin des Jahres, Meta Antenen, erzielte vielversprechende Trainingsresultate, ebenso die Nationalmannschaft der Kunstturnerinnen. Doch die erwarteten Erfolge blieben aus. Ihr Trainer, Ludek Martschini, hatte sich Besseres erhofft. Er sprach von Rücktritt, entschloss sich jedoch zu bleiben. Aber - eine seiner besten Schülerinnen muss mit 18 Jahren den Sport aufgeben, - wegen eines Rückenleidens. Solches gibt zu denken. // Nicht weniger gut hatten sich die Wintersportler vorbereitet. Langlaufmeister Edi Hauser z.B. unterzog sich regelmässig Herzfrequenzmessungen, damit seine Leistungen von Dauer bleiben konnten. // Indessen sich unsere Skifahrer quer durch Europa Routine und Kondition für Sapporo holten, war Davos Pilgerort für holländische Schlachtenbummler geworden, denn sie alle wollten erleben, wie Ard Schenk zum 3. Mal den Titel eines Europameisters eroberte. // Unter idealen Bedingungen fand in St. Moritz die Europameisterschaft im Viererbob statt, wobei der Schlitten Schweiz III für eine grosse Ueberraschung sorgte, in dem er Favoriten wie Deutschland und Oesterreich deklassierte. // In Jahren des Riesenrummels fallen weniger bekannte Sportarten recht angenehm auf. Snow-Bob gehört dazu. Macht keinen Lärm, stinkt nicht und ärgert - trotz Seitensprüngen - das olympische Komitee nicht. // Selbst an der Winter-Olympiade hatten einige Fahrer abschnallen und zu Fuss weitergehen müssen. Avery Brundage hatte ihnen zu schaffen gemacht. Nicht aber der Schweizer Mannschaft, deren Empfang in der Heimat Triumpfzügen gleichkam, wie sie in der Schweiz eher selten sind. // In einer Zeit, da jedermann an sportliche Betätigung glaubt, wundert es nicht, dass selbst grosse Unternehmen immer mehr Wert auf Bewegung legen. Wer viel sitzt, wird früher liegen, deshalb soll der Leistungstrieb von Deutschlands Managern z.B. durch Turnen gesteigert werden. // Ihre Fitness beweisen wollten auch jene 1200 Personen, die von der Schweiz nach München wanderten, um der Eröffnung der vielpropagierten Olympischen Sommerspiele 1972 beizuwohnen. // Dieser Marsch war nur ein Beispiel unter vielen, die deutlich zeigten, wie einfach heute mit dem Sportgedanken ein Geschäft zu verbinden ist. Doch darum kümmert man sich in einem Olympia-Jahr wenig. Die Zahl der Superlative, der Taumel und die Hysterie um Tausendstelsekunden und Bruchteilen von Millimetern hielten die Welt in Bann. // Allerdings, es gab tatsächlich aussergewöhnliche Leistungen zu sehen, so etwa den fünffachen Goldmedaillensieg von Mark Spitz. // Doch da ein olympischer Sieg heutzutage gleichzeitig ein politischer Sieg für ein Land, eine Partei oder eine Rasse ist, wurden von den Sportlern Leistungen verlangt, die zum Tribut grausame persönliche Opfer forderten. Mehr als einmal wurde im Stadion die olympische Idee des Baron de Coubertin beinahe zu Grabe getragen. // Es kam noch schlimmer: Der blutige Einbruch des Terrorismus in den angeblichen "Frieden" der Spiele deckte mit aller Deutlichkeit den Widerspruch zwischen Ideal und Realität auf. Sport und Politik sind nicht mehr zu trennen. // Ebensowenig sind es Sport und Finanzen, denn wo viel investiert worden ist, erwartet man finanziellen Erfolg. Daran sollte auch der Geist von 18 Toten nicht rütteln dürfen. Man spielte weiter. // Vom rein sportlichen Standpunkt aus sind es grossartige Spiele gewesen. Es gab Rekorde wie nie zuvor, es gab Siege von Favoriten und von Aussenseitern, doch recht froh war zum Schluss niemand. // Am allerwenigsten Freude hatten die Schweizer, denn der Medaillensegen blieb aus. Bleibt zu hoffen, dass auch Schwingen einmal olympische Disziplin wird - dann werden auch wir unseren Mann stellen! // Dass das Kräftemessen zwischen zwei Menschen Spass macht und auch einen geistigen Wert hat, bestreitet niemand. Doch leider ist zu befürchten, dass das internationale Gerangel um den Hochleistungssport noch lange andauern wird. //

Communiqué_1539.pdf
Dieses Dokument wurde mit der Unterstützung von Memoriav erhalten.