Klausenrennen 1923 - und heute? (1618-1)

  • Deutsch
  • 1974-08-09
  • Dauer: 00:05:15

Beschreibung

Abstract:
Schweiz, UR, GL: Klausenpass-Rennen 1923 und Klausenpass heute

Sequenzbeschrieb:
o.O., UR, GL (Schweiz) – ZS 2. Klausenpass-Rennen (1923)
o.O., UR, GL (Schweiz) – Autos auf Klausenpassstrasse fahrend
o.O., UR, GL (Schweiz) – Ausflügler vor Klausenpass-Kiosk stehend
o.O., UR, GL (Schweiz) – Ausflügler Alpenrosen pflückend
o.O., UR, GL (Schweiz) – Kinder an Strassenrand Alpenrosen zum Verkauf anbietend
o.O., UR, GL (Schweiz) – Familie picknickend
o.O., UR, GL (Schweiz) – Frauen abwaschend
o.O., UR, GL (Schweiz) – Kinder Fussball spielend
o.O., UR, GL (Schweiz) – Fahrt über Passhöhe (sub)

Communiqué:
1923 fand das zweite Klausenrennen statt. 90 Wagen meldeten sich am Start, 3000 Besucherautos und 30'000 Zuschauer konnten längs der Rennstrecke gezählt werden. Der Strassenzoll betrug im Kanton Uri Fr. 10.—, im Kanton Glarus Fr. 4.— pro Auto! Der Zürcher Filmproduzent Walter Kägi hat über das Rennen aus dem Jahre 1923 einen Film gedreht, der heute historischen Wert hat, denn selbst Bergrennen werden in der Schweiz immer seltener. Wir haben den Klausenpass an einem x-beliebigen Sonntag wieder besucht. Das "Rennen" findet noch immer statt, allerdings ist es heute das Rennen nach Sonntagsruhe und Pick-Nick-Plätzen.

Begleittext:
Im Jahre 1923 erhielt die Sowjetunion eine Verfassung, erlebte Deutschland den Höhepunkt der Inflation, wurde in Spanien eine Militärdiktatur errichtet. Die Herzen der europäischen Automobilsport-Fanatiker aber schlugen erst höher, wenn sie vom 2. Klausenrennen hörten. // Ein Jahr zuvor war das erste Klausenrennen für Automobile ausgeschrieben worden. Dem Rennen war ein voller Erfolg beschieden gewesen - 65 Fahrer hatten teilgenommen -, so dass man sich auch 1923 zur Durchführung dieses Anlasses entschloss. // 20,5 km mass die Bergstrecke, auf der sich 90 Konkurrenten einen Kampf gegen die Uhr, aber auch gegen Gewitter, Staub und bitterböse Schlaglöcher liefern wollten. // An Zuschauern fehlte es nicht: rund 30'000 Personen säumten den Strassenrand und verbanden Nervenkitzel und Motorenlärm mit Familienausflug und Alpenrosenplausch. // Nach Bezahlung eines Strassenzolls von 10 Franken pro Fahrzeug an den Kanton Uri und von 4 Franken an den Kanton Glarus konnte das Rennen gestartet werden... // Schon in den "Roaring Twenties" kannte man in der Schweiz den Autofimmel: Am Klausenrennen zählte man 3'000 Besucherautos! //Mit Hilfe modernster Uebertragungsmittel wurden die Zeiten gestoppt. Bei einem Mittel von annähernd 60 Stundenkilometern gab es einen Kampf um Sekunden. Der Sieger, ein Herr Rützler auf Steyr, fuhr die beste Tageszeit und zugleich einen neuen Rekord mit 20,24 Minuten, eine Sekunde schneller als Graf Masetti auf Alfa-Romeo. // Am 7. August 1934 fand das letzte - organisierte - Klausenrennen statt. Heute, 40 Jahre später, kommt es an jedem schönen Sonntag von neuem zu Rennen, unorganisierten. // Das Gesicht des Klausenpasses hat sich wenig verändert, die Mentalität der Touristen allerdings schon eher… // Worin wohl die besondere Attraktion gestohlener oder gekaufter Alpenrosen liegen mag? Sind diese geschützten Pflanzen noch immer Statussymbole für den Sonntagsausflügler? // Das moderne Klausenrennen ist ein Rennen um die besten Pic-Nic Plätze, eine Jagd um das trockenste Brennholz, ein Kampf um den schönsten, teuersten, besten Holzkohlengrill… die Hausfrau jedoch bleibt auch bei dieser Flucht aus dem Alltag Verlierer… // Wo früher 30'000 Zuschauer mit Spannung - und Bewunderung - der Durchfahrt der Steyrs, Amilcars Bugattis, Chiribiris und anderer exotischer Autos harrten, glotzen heute Blechkisten aus den Wiesen, - abgestellte Symbole einer Zeit, in der sich bald jedermann als Rennfahrer vorkommt - der Teuerung zum Trotz! //

Communiqué_1618.pdf
Dieses Dokument wurde mit der Unterstützung von Memoriav erhalten.
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