Uni-Streik

  • Schweizerdeutsch, Deutsch, Dialekt
  • 1979
  • Dauer: 00:25:47

Beschreibung

Dokumentation eines Streiks an der Universität Bern (vermutlich Juni 1979), mittels Handkamera aufgezeichnet. Mit einigen wenigen strukturierenden Einblendungen, aber ohne Kommentar wird das Geschehen aus den Reihen der Protestierenden festgehalten. Dabei rücken vor allem formale Aspekte ins Bild (Errichtung von Sitzblockaden, Diskussion über aktive Störung des Betriebs, Szenen der Konfrontation mit Streikunwilligen, die unter Spott an den Demonstrierenden vorbeidrängen, ein Open-Air-Konzert auf dem Gelände der Uni). Die Inhalte des Protests oder konkrete Forderungen der Studierenden kommen nur am Rande thematisiert; in einem eingangs gezeigten Flugblatt wird Mitbestimmung als zentrales Anliegen genannt.
Kontext des Streikaktion ist vermutlich das neue Studienreglement für die wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Abteilung, die auf Anregung von Prof. Niehans (vgl. Film) und nach amerikanischem Vorbild eine Reform zugunsten kurzfristig prüfbarer Pflichtveranstaltungen und hiermit erwerblicher Kreditpunkte vorsah, von den Studierenden aber als Verschulung und Beschneidung der Freiheit des Studiums abgelehnt wurde (vgl. hierzu Dokumentation 15.4 ZA * 24, insb.: "Offener Brief an Herrn Prof. Rüegg", in Berner Student, 12.07.1979, und "Die umstrittene Berner Studienreform", NZZ vom 12.07.1979). [Kap. 1]
00:00:00 Beginn: "Jitz längts: Streik!" Flugblatt oder Plakat mit Aufruf zum Protest an den wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Abteilungen der Uni Bern am 28. und 29. Juni. Die Studierenden hätten das Büffeln satt, neun Jahre obligatorische Schulzeit seien genug, es sei Zeit für studentische Mitbestimmung im ganzen Universitätsbetrieb.
00:00:52 Zusammenschnitt aus Szenen und Voten in der bestreikten Uni, die später im Kontext erneut gezeigt werden: Gedränge vor einem Hörsaal; Austausch von Argumenten am Streikposten; ein Professor, seine Hörer durch die mit Transparenten verstellte Zimmertür schleusend; Konzert einer Band im Freien, die Zuhörerschaft davor zahlreich im Gras sitzend.
00:02:55 "Streikposten": Ein Student argumentiert mit Nachdruck dafür, an seinen streikenden Kommillitonen vorbeigelassen zu werden, Appelle zu Solidarität und Pfui-Rufe auf der anderen Seite. Einblendungen der Namen Meier, Hess, Tuchtfeldt, vermutlich Professoren, gefolgt von Szenen vor den jeweiligen Hörsälen: Professoren, die sich den Weg durch die Menge bahnen und ihre Studenten zum Besuch der Vorlesung aufrufen.
[Kap. 2]
[Kap. 3]
[Kap. 4]
00:09:16 "Niehans": Professor Niehans verlangt ultimativ von den Teilnehmern der Sitzblockade, den Weg zum Hörsaal freizugeben, diese wiederum versuchen erfolglos, ihm Stellungnahmen zur Unipolitik und zum Streik abzuringen, derweil ihm das Mikrofon vors Gesicht gehalten wird. Prof. Niehans ist gewillt, die Durchführung seiner Vorlesung durchzusetzen, und lotst seine Studenten tatkräftig durch die Blokade, unter Pfiffen der Streikenden und einen leichtem Tumult auslösend.
[Kap. 5]
00:13:49 Diskussion der Streikenden über das weitere Vorgehen: Soll in den Vorlesungssaal eingedrungen werden, um den Streik durchzusetzen, oder ist dies eine politisch unkluge Aktionen, mit der das Wohlwollen sympathisierender Kreise verspielt wird? Erörterung der Rolle von Streikposten und von Fragen der basisdemokratischen Entscheidungsfindung dieser Streikbewegung.
[Kap. 6]
00:17:27 "Mittag": Konzert mit elektronisch verstärkte Musik (u.a. die Mundart-Rockband Rumpelstilz) unter freiem Himmel, das Publikum auf dem Vorplatz der Uni auf der Wiese sitzend, gelöste Festival-Atmosphäre.
[Kap. 7]
00:19:14 "Blockade: 1 Stunde": Aufruf an die Zuhörer der Band, vor 14 Uhr sämtliche der drei Treppen mittels Sitzstreik zu besetzen, sich jedoch nicht auf Konfrontationen einzulassen. Gedränge im Innern der Uni beim Aufbau der Blockade, vereinzelte Studenten, die sie zu passieren versuchen, Fotografien dieser Versuche als Standbilder.
[Kap. 8]
[Kap. 9]
00:25:12 "Schluss": Abspann: Container TV, Bern
00:25:47 Ende
Dieses Dokument wurde mit der Unterstützung von Memoriav erhalten.
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