Themen die dem Atelier «Lienhard & Salzborn» zugeordnet werden können (Entstehungszeitraum ca. 1885 – 1919):

  • Touristische Landschaftsfotografie: Dazu gehören landschaftliche Sehenswürdigkeiten die entlang der in der Reiseliteratur beschriebenen Reiserouten Graubündens, Walensee, Bad Ragaz und dem Veltlin aufgenommen wurden, topografische Tal- und Ortsansichten, Schluchten, Alpenpässe, Gletscher und Gipfel.
  • Motive mit Landschaftsbezug: Burgen und Burgruinen, Verkehrserschliessung (Alpenstrassen und Postkutschen)
  • Architektur: Grand Hotels in St. Moritz-Bad und Maloja, div. Gebäude und öffentliche Bauten in Chur (Baudokumentation Postgebäude, div. Baustellen z. B. Psychiatrische Klinik Waldhaus), Innenansichten der Kathedrale und der Bündner Kantonalbank in Chur oder dem Grand Hotel Neues Stahlbad in St. Moritz.
  • Touristische Porträt- und Ereignisfotografie in St. Moritz: Schneefall im Sommer, Start des Heissluftballons Helvetia (1909), Porträts von Touristen im Atelier oder im Aussenraum von St. Moritz (in Ausflugskutschen, Kinder auf Eseln, Familien neben Schneemann nach Schneefall im Juli).
  • Alpinismus (Bergsteiger auf Gletschern), Trachtenbilder (damals beliebte Genrebilder).
  • Porträtfotografie: Klassische Atelierporträts (Einzelfiguren und Gruppen), Gruppenbilder im Aussenraum (Vereine), aus Einzelbildern montierte Porträttafeln (Vereine, Berufsverbände, Kantonsparlament).
  • Theater: Dokumentation der monumentalen Bühnenaufzüge während der Calvenspiele in Chur von 1899. Dazu Porträts und Szenenbilder mit den Schauspielern in den Kostümen.
  • Arbeitswelt: Baustellen mit Arbeitern, Dokumentation von Holztransport im Prättigau, Div. Porträts von Ladenbetreibern vor ihren Geschäften und einer Küchenmannschaft vor einem Grand Hotel in St. Moritz, Handwerkern, Gewerbetreibenden und Arbeitern in Chur.

Themen die den Geschäftsphasen Salzborn, Photograph (1919-1947) und Salzborn & Co. (1947-1963) zugeordnet werden können (Entstehungszeitraum 1919-1963): Entwicklung der Stadt Chur mit Gebäude- und Stadtansichten, Landschaftsaufnahmen Reproduktionen von Kunstwerken und -denkmälern sowie Objekten aus der Sammlung des Naturmuseums Graubünden, Porträts.

 

1885/1963
Sprache: Deutsch

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Beschreibung

Provenienzen: Lienhard & Salzborn, Chur/St. Moritz

 

Verwaltungsgeschichte / Biographische Angaben: Das Fotogeschäft «Lienhard & Salzborn» wurde am 1. Januar 1889 gegründet und 1963 aufgegeben. Während dieser 74 Jahre gab es drei verschiedenen Gesellschaftsformen:

1889 – 1919: Lienhard & Salzborn (Kollektivgesellschaft: Gottlieb Lienhard und Rudolf Ludwig Salzborn)
1919 – 1948: Salzborn, Photograph (Einzelfirma: Firmeninhaber Rudolf Ludwig Salzborn)
1948 – 1963: Salzborn & Co. Photogeschäft (Kollektivgesellschaft: Geschwister Wilhelm Salzborn, Helena Salzborn und Emma Salzborn)

Die beiden Fotografen Gottlieb Lienhard (1861-1916) aus Suhr im Kanton Aargau und Rudolf Ludwig Salzborn (1864-1947) aus Wien lernten sich wahrscheinlich in Berlin kennen und kamen 1888 nach Chur, wo sie die Geschäfte des ursprünglich aus Spandau stammenden Fotografen Franz Pietsch übernehmen konnten. Dazu gehörten zwei Geschäftsstellen in Chur und eine nur während der Sommermonate betriebene Filiale in St. Moritz Bad. Drei Jahre nach dem Tod von Gottlieb Lienhard (1916), übernahm Rudolf Ludwig Salzborn und führte die Geschäfte in Chur und St. Moritz ab 1919 als Einzelfirma weiter. Die Filialen in Chur wurden bereits kurz nach der Jahrhundertwende zusammengelegt. 1910 konnte die Villa L'Orsa an der Bahnhofstrasse (links vom Eingang in den Park des RhB-Gebäudes) erworben werden, wo das Geschäft bis zur Aufgabe bestehen blieb. Die Filiale in St. Moritz wurde 1927 verkauft. Nach dem Tod von Rudolf Ludwig Salzborn (1947), übernahmen drei der Kinder Salzborn das Geschäft.

Gottlieb Lienhard und Rudolf Ludwig Salzborn waren nicht nur geschäftlich, sondern auch privat miteinander verbunden. Denn Rudolf Ludwig Salzborn heiratete 1892 Carolina Lienhard (1869-1956), die Schwester von Gottlieb. Sie hatten zusammen vier Kinder: Hedwig (1893-1981), die Zwillinge Helena (1894-1963) und Emma (1894-1987) sowie Wilhelm (1896-1971). Bis auf Hedwig arbeiteten alle im Fotogeschäft. Ohne Nachkommen blieb Gottlieb Lienhard, der 1894 die Churerin Anna Aliesch geheiratet hatte.

Die beiden Fotografen bewiesen einen guten Geschäftssinn. Sie nahmen mit ihren Landschaftsbildern an prestigeträchtigen Veranstaltungen teil, wie beispielsweise 1889 an der Weltausstellung in Paris, wo sie in der Kategorie «Photographie, inkl. Apparate» mit einer Bronzemedaille ausgezeichnet wurden. Auszeichnungen dieser Art bürgten für Qualität. Werbewirksam druckte man die Information auf Fotokartons und Geschäftspapier. Mit mehreren Umzügen und Geschäftsübernahmen optimierten die beiden Fotografen ihre Standorte. Von der Churer Peripherie an der Masanserstrasse und der engen Oberen Gasse, wo die ersten Geschäftsstellen lagen, wechselten sie an den zentral gelegenen Postplatz und schliesslich an die Bahnhofstrasse (Bild StAGR FN IV 13/18 C 097), die sich damals nach und nach zur Churer Hauptgeschäftsstrasse wandelte. Als 1896 die Bahnstrecke nach Thusis eröffnet wurde, betrieben sie auch dort eine Filiale. Diese schien jedoch nicht den gewünschten Erfolg zu bringen und wurde bereits 1897 weitergegeben. In St. Moritz verbesserten sie ihre Situation im Jahr 1902 mit dem Umzug in die Villa Erica gegenüber dem Grandhotel «Victoria» (Bild erster Standort StAGR FN IV 13/18 SM 30, Bilder Villa Erica StAGR FN IV 13/18 SM 28 und StAGR FN IV 13/18 SM 29 a + b).

Förderlich für die Geschäfte war ebenfalls das weitverzweigte Netzwerk, das sich die beiden Fotografen aufbauen konnten. Als Mitglieder verschiedener Vereine, wie dem «Schweizer Alpen Club», den Churer Männerchören, des «Bürgerturnvereins» oder des «Bündner Kunstvereins» nahmen sie Teil am Churer Gesellschaftsleben. Als einzige Bündner sind Lienhard, Salzborn und Carl Anton Lang (1851-1911), der sein Geschäft an der Hofstrasse in Chur betrieb und wie Lienhard aus dem Aargau stammte, 1899 als Mitglieder des Berufsverbands «Société des photographes suisses» gelistet. In den 1920er-Jahren wirkte Rudolf Ludwig Salzborn dann für die inzwischen gegründete Sektion Graubünden des Berufsverbands im Vorstand mit.

Während der 30-jährigen Geschäftstätigkeit von «Lienhard & Salzborn» veränderte sich das Fotogewerbe stark. Ab Mitte der 1880er-Jahre bis 1904 gab es in Chur jeweils fünf bis sieben Fotogeschäfte. Handlichere und immer einfacher zu bedienende Kameras ermöglichten es immer mehr Privatpersonen selber zu Fotografieren. Die bis dahin klassischen Fotoateliers wandelten sich zu Fotofachgeschäften, in denen zunehmend auch Bedarfsartikel für die Hobbyfotografie verkauft und Filme entwickelt wurden. Ab 1909 hielten sich in Chur dann nur noch die drei «grossen» Anbieter: Carl Anton Lang, nach 1911 seine Söhne Josef (1880-1959) und Franz (1885-1942), Lienhard & Salzborn und Anton Reinhard (1866-1919). Ihnen gelang es, ihren Kundenkreis über einen langen Zeitraum zu halten und ihre Spezialgebiete zu etablieren.

Die Haupteinnahmequelle war und blieb die Porträtfotografie. Wichtige Nebenprodukte waren die touristische Landschaftsfotografie, Aufträge der öffentlichen Hand und des Gewerbes. So entstanden von «Lienhard & Salzborn» und nach ihnen von «Salzborn, Photograph» und «Salzborn & Co.» vor allem Dokumentationen von Bauten in Chur und St. Moritz, aber auch von Arbeiten der Holzgewinnung im Prättigau, der Flösser am Churer Rhein oder der Wuhren in der Trimmiser Rüfe.
[Vgl. Aregger, Brigitte: Lienhard & Salzborn, 1889–1919, Landschaftsfotografien, in: Jahrbuch der Historischen Gesellschaft Graubünden, Chur 2019; Florin, Mario: Die Bündner Belle Epoque in Fotografien. Das Fotoatelier Lienhard & Salzborn in Chur und St. Moritz, Chur 2004; fotoCH, Online-Werk über die historische Fotografie in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein, Eintrag «Lienhard & Salzborn» und weiterführende Einträge, URL: https://www.foto-ch.ch/?a=fotograph&id=20553&lang=de, Stand 14.10.2020]

 

Bestandsgeschichte: Im Archiv an der Bahnhofstrasse befanden sich bei der Geschäftsaufgabe 1963 rund 250'000 Negative, die dazu gehörenden Verzeichnisse, Auftragsbücher und Geschäftsunterlagen. Trotz grosser Bemühungen seitens der Familie Salzborn konnten damals keine Abnehmer für das Material gefunden werden, weshalb der grösste Teil bei der Räumung notgedrungen entsorgt werden musste.

Heute gibt es vielleicht noch etwa 4'000 – 5'000 Motive auf verschiedenen Bildträgern. Rund 3000 davon blieben als Negative, überwiegend auf Glasplatten, einige wenige auf Film, etwa 400 auf Kabinettkarten, rund 600 in Vorzeigebüchern und Alben sowie auf einzelnen Papierabzügen erhalten. Bis auf einen unvollständigen Verkaufskatalog gingen alle Verzeichnisse und Geschäftsunterlagen verloren.

Die Negative gelangten auf heute nicht mehr nachvollziehbarem Weg ins Staatsarchiv Graubünden. Bekannt ist lediglich, dass 1986 ungefähr 400 Negative vom Kantonsgericht über das Rätische Museum dem Staatsarchiv abgeliefert wurden. Weshalb diese Glasplatten damals im Keller des Kantonsgerichts eingelagert waren, liess sich bereits 1986 nicht mehr klären. Ebenso wenig, wie und woher die restlichen Glasplatten stammen.

Neben dem Negativbestand FN IV enthalten zahlreiche andere Bestände aus staatlicher wie auch aus privater Herkunft Bilder, die sich «Lienhard & Salzborn» zuschreiben lassen. Weitere Bestände und Verweise siehe unter «Verwandtes Material».

 

Die meisten Fotos sind undatiert. Rund drei Viertel aller Aufnahmen entstand zwischen 1889 – 1919, die übrigen zwischen 1919 – 1963. Bei denjenigen Bildern, bei denen keine eindeutigen Hinweise auf die Datierung vorhanden sind, wurde der Entstehungszeitraum auf die Zeit des Bestehens des Fotogeschäftes zwischen 1889-1963 angegeben. Um den Entstehungszeitraum der einzelnen Bilder so weit wie möglich einzugrenzen, dienten die Informationen auf den Bildern, Vergleiche mit anderen Bildern oder die Baugeschichte der aufgenommenen Orte.
Weil zwei Bilder eindeutig dem Vorgängeratelier Franz Pietsch zugeschrieben werden können, wird der Entstehungszeitraum des Bestandes mit ca. 1885 – 1963 angegeben. Bei der Geschäftsübernahme von 1889 war es noch üblich, dass auch das Bildmaterial übernommen wurde, um dieses dann ohne Hinweis auf den Urheber unter dem eigenen Namen zu vertreiben.

Titel
Fotobestand Lienhard & Salzborn
Umfang

2878 Fotos

Auswahl/Vollständigkeit

Siehe Bestandesgeschichte

Informationen zur Erschliessung

Ersterfassung 1995. Danach zahlreiche Aktualisierungen und Verbesserungen der Verzeichnung

Rechte

Die Urheberrechte sind erloschen. Freie Nutzung, Quellenangabe gemäss Merkblatt "Zitierweise" obligatorisch (Rechtliche Hinweise Staatsarchiv Graubünden).

Original-ID
4ba2343b73504515900b19d710b24e25
Original-Signatur des Bestands
FN IV
Originaltitel des Bestands
Lienhard & Salzborn/Salzborn Fotogeschäft, Chur/St. Moritz, 1889-1963

Zugang

Die Fotos sind frei zugänglich.

Zuständige Institution Original
Zuständige Institution Master
Zuständige Institution Zugang

Publikationen
  • Organisationscomité der Calvenfeier (Hg.): Rätische Trachtenbilder. Polygraphisches Institut, Zürich 1899.
  • Lienhard & Salzborn (Hg.): Erinnerung an die Calvenfeier in Chur 1899. Chur 1899.
  • Aregger, Brigitte: Lienhard & Salzborn, 1889–1919, Landschaftsfotografien, in: Jahrbuch der Historischen Gesellschaft Graubünden, Chur 2019.
  • Florin, Mario: Die Bündner Belle Epoque in Fotografien. Das Fotoatelier Lienhard & Salzborn in Chur und St. Moritz, Chur 2004.
  • Hugger, Paul (Hg.): Bündner Fotografen. Biografien und Werkbeispiele, Zürich 1992.
  • Dosch, Leza: 1900-1925. Architektur in der Landschaft, in Stephan Kunz und Köbi Gantenbein (Hg.): Ansichtssache. 150 Jahre Architekturfotografie in Graubünden, Zürich 2013.
  • fotoCH, Online-Werk über die historische Fotografie in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein. Eintrag «Lienhard & Salzborn» und weiterführende Einträge.

Datum der Übernahme in Memobase
2020-09-04
Memobase ID
sag-001
Dieser Bestand wurde mit der Unterstützung von Memoriav erhalten.
Zuständige Institution

Staatsarchiv Graubünden

Siehe auch